Vom Merino-Schaf zur Funktionsunterwäsche

 

 

Hast du dich je gefragt, wie aus diesem frisch geschorenen Häufchen Merinowolle dein nächstes Funktionsshirt wird?

Es ist ein langer Prozess, der viel Expertise und Erfahrung beansprucht, um im Ergebnis diese Naturfaser in eine unvergleichlich komfortable und hochfunktionelle Sportbekleidung zu verwandeln. Hier ist ein kleiner Einblick in die wichtigsten Herstellungsschritte:

 

1. Schafhaltung und Schur

Das Merino Schaf ist die Schafrasse mit der wohl feinsten Wollqualität (ab ca. 14-16 Mikron). Die besten Wollqualitäten stammen aus Schafhaltungen in bergigen Regionen mit großen Temperaturgegensätzen zwischen Sommer und Winter. Unsere Lieferanten beziehen ihre Merinowolle daher überwiegend aus Neuseeland, Tasmanien und den südamerikanischen Andenregionen.


Merino Schafe wurden aber nicht nur auf eine besonders weiche Wolle, sondern auch auf eine schnelle und reichliche Fellnachbildung gezüchtet. Deshalb ist es besonders wichtig die „Merinos“ regelmäßig zu scheren. Der Prozess des Scherens fügt den Tieren keine Schmerzen zu, ganz im Gegenteil – sie nicht zu scheren wäre Tierquälerei, da die Tiere sonst nach Jahren an dem Gewicht der eigenen Wolle zugrunde gehen würden.


Selbstverständlich verarbeiten alle bei uns gelisteten Hersteller ausschließlich tierschutzzertifizierte Wolle ohne Mulesing. Eine artgerechte Tierhaltung ist darüber hinaus auch die Grundlage für eine hohe Wollqualität.

 

2. Sortierung der Wolle

Für Merino Unterwäsche wird in der Regel nur die Wolle vom Unterbauch des Schafes verwendet, da diese eine besonders feine Faserstruktur aufweist (quasi das Filetstück).
Dies ist auch der Grund dafür, warum der Rohstoffpreis für diese Edelwolle relativ hoch angesiedelt ist.
Die restliche Wolle wird für andere Zwecke verwendet, bei denen es nicht so sehr auf die Wollfeinheit ankommt (z.B. Decken, Strickwolle, etc).
In einem ersten Bearbeitungsschritt wird also erst einmal die Wolle sortiert, bevor es dann weiter zur Wäsche geht.

 

3. Reinigung der Rohwolle

Die Rohwolle enthält bis zu 40% des Gesamtgewichts an Schmutzpartikeln und Wollfett.
In mehreren Schritten wird die Wolle gewaschen und mit mechanischen Verfahren von Staub, Sand und Pflanzenresten befreit.
Dabei ist es wichtig das ein gewisser Anteil des natürlichen Wollfetts (Lanolin) erhalten bleibt, damit die Wolle nicht austrocknet und brüchig wird. Außerdem hat Lanolin einen positiven Effekt auf die menschliche Haut. Das überschüssige Wollfett aus dem Waschvorgang wird daher herausgefiltert und kommt dann z.B. in kosmetischen Feuchtigkeitscremes zum Einsatz. Das Wollfett spielt außerdem eine wichtige Rolle bei der Fähigkeit der Wollfasern hohe Mengen an Feuchtigkeit zwischenzuspeichern (bis zu 30% des Eigengewichts der Wolle). Die gewaschene Wolle wird dann gekämmt und in mehreren Schritten getrocknet.

 

4. Die Veredelung von Wolle zu einem Garn

 

 

Bevor die gereinigte Rohwolle zu Unterwäsche weiterverarbeitet werden kann, muss sie noch weiter aufbereitet und zu einem Garn gesponnen werden.
Um eine gleichmäßige Garnqualität zu erhalten, werden die Wollfasern solange gekämmt, bis Verwicklungen entfernt sind und die Fasern parallel zueinander liegen. Dieser Prozess, den man als „Kardieren“ bezeichnet, ermöglicht außerdem die Aussortierung von gebrochenen oder zu kurzen Fasern. Aufgrund der gleichmäßigen Ausrichtung gibt es somit weitaus weniger Faserenden, die die Haut irritieren können.
Durch dieses aufwendige Veredelungsverfahren können die Wollfasern zu einem glatteren. feineren und vor allem weicheren Garn gesponnen werden.
Diese Verarbeitungsschritte, die entsprechendes Know-How und moderne Maschinentechnik erfordern, tragen neben der Qualität der Rohwolle maßgeblich zu einer komfortablen Haptik und zur Haltbarkeit des späteren Endprodukts bei.

 

 

Die gekämmten Wollfasern werden erst zu Wollbändern zusammengefasst und dann zu einem Vorgarn lose verdreht und gezogen. Anschließend können sie zum fertigen Garn gesponnen werden.

Neben dem klassischen Spinnverfahren, gibt es auch noch neue Techniken, wie z.B. das Core Spinning, bei dem Wollfasern um ein bestehendes Filament (z.B. Nylon / Elasthan) gezwirnt werden, um mehr Stabilität oder Dehnfähigkeit von dünnen Stoffen zu erreichen. Das fertige Garn wird dann gedämpft, um ein Kräuseln zu verhindern und kann im Anschluss dem mehrstufigen Färbeprozess unterzogen werden.


Viele unserer Hersteller setzen hierbei bereits auf eine hautfreundliche und weniger chemikalienbelastete Färbung:

 

 

 

5. Stoffherstellung

Das fertige Garn wird auf große Garnspulen gewickelt und kann so zur Strickfabrik transportiert werden, wo es zu Stoffbahnen weiterverarbeitet wird.
Einige unserer Lieferanten betreiben noch eigene Strickereien z.B.:

  • Woolpower (in Schweden)
  • Aclima (in Estland)
  • Devold (in Litauen)
  • Dale of Norway (in Norwegen)
  • Engel (in Deutschland)


und können somit sowohl die Transportwege minimieren, als auch den Herstellungsprozess individuell optimieren und eigens entwickelte Stricktechniken realisieren.

 

 

Bei der Herstellung der Stoffbahnen kommen verschiedenste Stricktechniken zum Einsatz z.B.:

  • Mischung verschiedenfarbiger Garne für gemusterte Stoffe
  • Mischung von Merinogarnen mit anderen Fasern
  • Nahtloses Rundstrickverfahren (meist in Verbindung mit Kunstfasern)
  • Frottee Strick (schlaufenartige Struktur innen)
  • Strukturstoffe (Wellenstruktur, Waffelstruktur, hochflorige Struktur)
  • Mesh Struktur


Darüber hinaus gibt es verschiedene Stoffdickeneinstellungen, welche in Gramm pro m² Stoffgewicht gemessen werden. Oft werden aus funktionellen Gesichtspunkten Kleidungsstücke aus unterschiedlichen Stoffstücken mit verschiedener Struktur oder Stoffstärke zusammengesetzt, um an den entsprechenden Körperzonen beispielsweise für mehr Stretch oder mehr Atmungsaktivität zu sorgen.

 

7. Konfektionierung

Mit entsprechenden Schablonen werden nun aus den Stoffbahnen die entsprechenden Teilstücke geschnitten.

 

Hier wird darauf geachtet möglichst wenig Verschnitt zu produzieren. Einige Hersteller verwerten sogar die Stoffreste zu eigenen „Resorted“ Produkten (z.B. Woolpower, Aclima). Für die verschiedenen Produktserien und die unterschiedlichen Konfektionsgrößen, werden jeweils eigene Schnittmuster benötigt.

Nun müssen nur noch die verschiedenen Stoffzuschnitte zum fertigen Kleidungsstück zusammengenäht werden. Bei Merino Unterwäsche wird üblicherweise mit Flachnähten gearbeitet, um Reibungsstellen zu verhindern. Bei Merino T-Shirts wird aus optischen Gründen meist die klassische Naht mit Nahtüberstand nach innen gewählt, da diese Naht von außen weniger sichtbar ist, als die Flachnaht.

Bei Shirts oder Longsleeves mit Print folgt noch ein weiterer Bearbeitungsschritt. Motive werden bei Merinostoffen meist mit dem Siebdruckverfahren aufgebracht, selten aber auch durch einen Digitaldruck.
Beim Siebdruckverfahren wird mittels einer Motivschablone innerhalb eines Rahmens die Farbe von einer Seite zur anderen gewischt.

 

Nach Vollendung dieser Arbeitsschritte kann die fertige Merino Bekleidung verpackt werden und sich auf den Weg in die Läger der Hersteller machen,
Einige unserer Hersteller nutzen auch für die Verpackung bereits nachhaltige Lösungen wie Recycling Kartonagen (z.B. Ortovox, Icebreaker) oder Folienverpackungen aus pflanzenbasiertem Kunststoff (z.B. Mons Royale, Super.Natural).
Hier ist aber noch Luft nach oben, wie wir finden. Wir nutzen deshalb kontinuierlich unseren Einfluss auf die Hersteller, um diese auch bei der Produktverpackung von plastikfreien Lösungen zu überzeugen.

 

7.Fazit

Der Grund, warum wir den ganzen Weg vom Schaf bis hin zum fertigen Funktionsshirt aufzeigen wollen ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie aufwendig dieser ganze Produktionsprozess ist und wie viele einzelne Arbeitsschritte notwendig sind, um am Ende ein hochwertiges und komfortables Endprodukt zu erhalten, bei dem auch das Tierwohl nicht zu kurz gekommen ist.
In Anbetracht dessen ist es hoffentlich nachvollziehbar geworden, dass ein Kleidungsstück aus diesem edlen Rohstoff seinen Preis wert ist.


Dieser Informationstext ist geistiges Eigentum der Merino Online UG (www.merino-store.com). Ein Kopieren oder vervielfältigen ist untersagt.

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